Lady Nelson: Der Mast und weitere Details

Auf der Werft | 31. August 2020

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Ein Cannonball Rack entsteht
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Cannonball Racks rund um den Niedergang
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Kompass und Treppen
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Rüsten und Jungfern
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Vorderer Teil des Bugsprit
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Großstag und Bugsprit
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Wanten und Mast
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Wanten, Mast und Pardunen
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Eselshaupt
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(Fast) vollständige Übersicht

Die Ausrüstung des Decks nähert sich dem Ende und es wird Zeit, den Mast aufzustellen. Die Decksaufbauten der Lady sind zwar nicht so komplex, wie die der Renard, dafür aber auch nicht so gut dokumentiert und es braucht für den angestrebten historischen Realismus einiges an Recherche.

Kanonenkugeln

Für die Kanonen eines Kriegsschiffes mussten natürlich Kugeln bereit stehen. Die wurden in Vorrichtungen in der Nähe der Kanonen gelagert (engl. Cannonball Rack). Ob diese Racks jederzeit mit Kugeln gefüllt waren oder ob nur im Gefecht ist wohl nicht wirklich sicher. Zu vermuten ist allerdings, dass diese, manchmal über 20 kg schweren Eisenkugeln im - ja manchmal auch stürmischen - Normalfall im Magazin unter Deck gelagert wurden. Die Racks der Lady entstehen aus kleinen Birnenholzleisten. Die Löcher für die Kugel werden zwecks Gleichmäßigkeit auf dem Kreuztisch gebohrt. Die Kugeln sind geschwärzte Glaskugeln mit einem Durchmesser von 1 mm.

Kompass

Der Kompass war Grundvoraussetzung für ein Navigieren außer Sichtweite der Küste. Größere Schiffe hatten stets zwei Kompasse parallel im Einsatz, kleinere Schiffe mussten sich mit einem Kompass begnügen. Das Kompassgehäuse der Lady habe ich zum größten Teil aus dem Buch «Super detailing the cutter Sherbourne, a guide to building the Caldercraft kit», von George Bandurek übernommen. Das Buch ist recht hilfreich, da es viele Details der thematisch verwandten Sherbourne beschreibt. Die Kompassrose entstand auf dem Laserdrucker. Das Glas darüber war einmal Teil eines Joghurtbechers.

Auf- und Abstieg in der britischen Marine

Für das - reguläre - Entern des Schiffes sind an der Bordwand außen Leiterstufen und innen Treppen angebracht. Die Einzelteile dafür entanden auf der Fräßmaschine. In wie weit solche Details den damaligen Tatsachen entspricht, ist schwer zu sagen. Nur wenige Originale aus der Zeit haben überlebt und Details dieser Art wurden damals kaum dokumentiert.

Von Rüsten und Jungfern

Die Rüsten sind starke Bretter, die außen an der Bordwand angebracht werden um die Wanten weiter zu spreizen und aus dem Verkehrsbereich des Decks zu halten. Die Wanten sind starke Taue, mit denen die Masten seitlich abgestützt werden. In sie werden auch die Webleinen geknüpft, auf denen die Matrosen hinauf in die Masten entern. Jungfern sind Takelblöcke. Mit ihnen und den sog. Taljereeps werden die Wanten gespannt. Für eine Want sind stehts zwei Jungfern erforderlich. Eine Jungfer wird vom sogenannten Rüststroppen und einem Metallband, dem Rüsteisen, am Rumpf angeschlagen und hat die Rüste als Widerlager. Die zweite Jungfer ist an das Tau der Want geknotet. Steifgesetzt - gespannt - werden die Wanten mit Taljen die mehrfach zwischen den Jungfern laufen (und so einen Flaschenzug bilden).

Die Rüsten wurden aus Birne gefräst. Einzige Herausforderung war es, dass sie auch an einem schräg verlaufenden Rumpf in Waage liegen sollten.

Bugsprit und Mast

Bugsprit und Mast der Lady sind wesentlich einfacher gehalten, als bei der Renard. Das betrifft vor allem den Mast, der z.b. ohne Salling auskommt. In Ermangelung einer Drexel- oder Drehbank schleife die Spieren mit Hilfe der Bohrmaschine in Form. Dazu ist einiges an Geduld und Ausdauer erforderlich. Auch mit 60er Schmirgelleinen dauert es lange, einen Rundstab von 8 mm auf 4 mm zu verjüngen. Das Ausgangsmaterial ist wieder jeweils Birnholz. Beim Mast sind es zwei - unter viel Gekreische der winzigen Kreissäge - ausgesägte Leisten (5 x 8 mm). Die werden mit Ponal verleimt, grob auf Maß gesät und dann ebenso grob auf Maß gehobelt. Danach kommt das Schleifen mit der Bohrmaschine. Der Bugsprit besteht aus einer Spiere. Der Mast besteht aus zwei Spieren. Diese werden verbunden durch zwei Holzklötze, die «Eselshäupter» verbunden.

Stehendes Gut

Als stehendes Gut bezeichnet man die Taue, die die Segel tragenden Masten fixieren und die Kräfte der Segel in die Struktur des Rumpfes umleiten. Im Falle der Lady sind das nur der Bugsprit und ein Mast. Zu diesem stehenden Gut gehören das Bugstag, das Wasserstag, das Großstag, die Pardunen und die Wanten.

Die Wanten dienen zur seitlichen Abstützung des Masts. Jeweils zwei Wanten bilden einen sog. Spann. Dieser Spann wird oben zu einer Schlaufe gebunden (sog. Wantlegel) und über den Masttopp gelegt. Jedes Wantpaar wird auf einer Seite des Schiffes mittels den Wantjungfern angeschlagen. In die Wanten werden später noch die Webleinen geknotet. Auf diesen Webleinen entern dann die Matrosen die Masten hinauf.

Die Pardunen leiten die Kräfte, die auf den Mast von hinten einwirken in die Rumpfstruktur ab. Sie werden mittels Takelblöcken steifgesetzt.

Das Großstag ist das Widerlager der Pardunen. Es leitet die Kräfte, die auf den Mast von vorne einwirken in die Rumpfstruktur ab. Stage werden mittels z.B. Stagjungfern steifgesetzt. Im Prinzip hat jeder Mast ein Stag. Diese werden dann nach dem Namen des Masts benannt.

Das stehende Gut besteht aus gekauften Takelgarn verschiedener Stärke zwischen 0,25 mm und 1 mm. Stehendes Gut wurde und wird im Original zum Schutz gegen Witterung geteert. Deshalb ist es schwarzbraun bis schwarz gefärbt. Das Takelgarn muss für das Modell vorbreitet werden. Dazu wird es zuerst über eine Kerzenflamme gezogen, um abstehende Fasern abzubrennen. Dann wird der Faden mehrfach durch Wachs gezogen und nochmals über die Kerzenflamme gezogen. Dadurch dringt das Wachs in den Faden ein und versiegelt ihn.

Die erforderlichen Takelblöcke sind zwischen 3 mm und 5 mm lang. Es gibt sie im Zubehörhandel für den Bau historischer Schiffsmodelle. Die Haken und Ösen, die für das Takeln der Lady gebraucht wurden, wurden freihändig aus 0,5 mm Messingdraht gebogen und danach chemisch brüniert.


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