Lady Nelson, Knoten und Stengen

Auf der Werft | 21. Juni 2021

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254 knots to go!
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Fast geschafft
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Die Ankerbojen entstehen
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Anker und Ankerbojen
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Spieren für Rah- und Gaffelsegel
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Die Perdeleine ist im Entstehen
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Fertige Perdeleine
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Aufgeschossenes Tau in Massenproduktion
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Taubündel am Modell
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Der fertige Union Jack

Nach langer Baupause wird die Lady Nelson doch noch fertiggestellt. Größtes Hindernis für das glückliche Bauende war der Wunsch, die Lady mit Segeln auszustatten. Nach einigen fruchtlosen Versuchen habe ich das aufgegeben und die Lady ohne Segel fertiggestellt.

Die Webleinen

Zum Aufentern auf die Masten sind in die Wanten die sog. Webleinen geknüpft. Der Abstand zwischen den Webleinen betrug laut W. zu Mondfeld (selbsternannter Pabst für Schiffsmodellbau) zwischen 36 cm und 40 cm. Bei der Lady habe ich 6 mm gewählt, was ca. 38 cm entspricht. Das Ausweben zwischen vorderer und hinterer Want erfolgte mit einem speziellen Knoten, den Webleinensteg, der die Eigenheit hat, sich bei Belastung immer stärker zusammenzuziehen, die Webleine also fester an der Want hielt. Diesen Knoten habe ich - natürlich - auch verwendet. Es waren je Seite 32 Reihen Webeleinen an je 4 Warten zu knüpfen. Das macht in Summe 256 Knoten die zu knüpfen waren. Jeder Knoten wurde mit einem Tropfen Leim fixiert. Im Original bilden die Webleinen zwischen den Wanten durch ihr Eigengewicht einen hübschen Bogen, sie hängen nach unten durch. Im Maßstab 1:64 funktioniert das so leider nicht. Deshalb wird in jedes Segment eine Büroklammer eingehängt die diesen Effekt im Maßstab 1:64 realisiert. Dann werden die Webleinen mit verdünntem Weißleim eingestrichen. Nach dem Trocknen werden die Büroklammern entfernt und man freut sich über den (halbwegs) realistischen Effekt.

Die Anker

Die Lady Nelson hat zwei sog. Admiralitätsanker, die auch Stockanker genannt werden. Solch ein Anker besteht aus dem Schaft und den gebogenen Armen. Am Schaft befindet sich oben eine Öse für das Ankertau, an den Armen befinden sich außen die sog. Fluken, die dreieckigen Schaufeln, mit denen sich der Anker in den Ankergrund eingraben sollen. Damit die Fluken richtig auf dem Ankergrund zum Liegen kommen, befindet sich am oberen Teil des Schaftes der um 90 Grad verdrehte Ankerstock. Er besteht aus Holz. Der Rest des Ankers ist aus Gusseisen.

Schaft, Arme und Flunken sind bei der Lady ein vorgefertigtes Teil aus Metallguss. Der Ankerstock entstand wie im Original aus zwei Holzleisten. Die Metallbänder, die diese zwei Teile zusammenhalten sind bei der Lady aus schwarzem Zeichenkarton.

Der Anker musste eventuell mit Hilfe eines Beibootes geborgen werden. Dabei war eine Ankerboje, die am Anker hing, hilfreich. Diese Boje hatte die Form eines Rugbyballs und bestand aus Leichtholz oder Kork und war eventuell geteert. Bei der Lady entstand sie aus einem Stück Kirschholz.

Rahen und Bäume

Britische Kutter waren im Vergleich zu französischen oder US-amerikanischen Kuttern enorm hoch und mit sehr viel Segelfläche getakelt. Lady Nelson fährt am Mast als Großsegel ein Gaffelsegel, sowie bis zu drei Rahsegel. Hinzu kommen Vorstag, Klüver und Flieger am Bugsprit und je nach Wind, diverse Leesegel. Nach einigen fruchtlosen Versuchen annehmbare Segel aus Papier herzustellen, habe ich mich darauf beschränkt, nur die Stengen zu bauen.

Die Stengen des Modells wurden aus Birnbaum gefertigt. Dazu werden sie mit dem Minihobel grob in Form gebracht und dann - so wie bei Bugsprit und Mast - mithilfe von Bohrmaschine und Schleifpapier in Form gebracht. Die innere Länge der Rahen ist auf ca. einem Viertel nicht rund, sondern achteckig. Dieses innere Viertel wird mit Isolierband markiert um es vom Rundschleifen sicher auszusparen. Gaffel und Gaffelbaum sind auf der ganzen Länge rund wobei sie auf halber Länge - dort wo sie sich beim Original am meisten durchbiegen - am dicksten sind. Sie sind am Mast mittels Gaffelklauen angeschlagen. Diese Gaffelklauen entstehen aus Holzklötzchen auf die grob die fertige Form aufgezeichnet ist. Die Klötzchen werden auf der Kreissäge halbiert, die Hälften werden an die Gaffelspieren geleimt und dann mit der Feile und Schleifpapier in Form gebracht. Im Original werden diese Gaffelklauen mittels Metallbändern an den Spieren gesichert. Diese Metallbänder werden im Modell mittels Kartonstreifen dargestellt.

Danach erfolgt das Takeln der Rahen und der Spieren. Dabei gibt es zwei Herausforderungen: Zum einen gilt es, die Fußperde - das sind das Seile, auf dem die Matrosen beim Arbeiten an der Rah stehen - gleichmäßig und realistisch an den Rahen anzubringen. Zum anderen gilt es, die Rahen in mehreren Achsen mittels Takelagarn auszurichten, so wie dies auch in Realität der Fall ist. Das ist eine ziemlich fummelige Arbeit. Zieht man an einem Faden, muss man bei zwei anderen nachlassen und all das so lange, bis die Rah in allen drei Achsen so steht, wie sie soll und die Takelfäden steif gesetzt sind (also nicht lose durchhängen). Dabei ist zu beachten, dass diese Fäden über Takelblöcke nach unten zu den Nagelbänken geführt werden, wo sie mit Belegnägeln und den korrekten Knoten (Belegnagelstek) belegt (befestigt) werden.

Letzte Details

Die Überlängen der Taue wurden im Original an den Belegnägeln aufgeschossen. Das lässt sich am Modell nicht wie in Realität darstellen. Deshalb werden die aufgeschossenen Überlängen schlicht separat hergestellt und über die Belegnägel gehängt.

Für den Union Jack wurde schlicht Seidenpapier mit Wasserlack weiß (beidseitig), blau und rot angemalt. Dann wurden blaue und rote Papierstreifen zugeschnitten und mit einem Klebestift auf das weiße Papier geklebt. Eine ziemliche Puzzle-Arbeit aber vom Ergebnis her überzeugend.

Ständerbrett und Ständersäulen waren vorgefertigt. Das Ständerbrett besteht aus Pressspan und wurde mit Beize in Nussbaum gefärbt und dann mit Klarlack aus der Spraydose versiegelt. Die Ständersäulen sind aus Messing gedreht. Das Modell wurde mit zwei Spannschrauben an den Ständer geschraubt.

Fertig!

Baubeginn war 26.3.2017, Bauende war 21.6.2021.


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